Das Café Rosa

von Georg

Ich nehme an dass nicht viele das Café Rosa kennen. Das könnte ein bisschen verwundern, wenn man weiss, wer hinter dem Betreiber des Cafés steht, nämlich die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH).

Der Name dient als Reminiszenz an die Damen Rosa Luxemburg, Rosa Mayreder und Rosa Manus, drei bedeutenden poltischen Aktivistinnen deren Wirken bis in die Gegenwart reicht. Mein Interesse am Café Rosa gilt aber nicht der Namensgebung, sondern den um es schwelenden Konflikten. Die Grundsätze des 2011 gegründeten Cafés, die man dessen Homepage entnehmen kann, lauten unter anderem: „feministisch, antisexistisch, basisdemokratisch, antidiskriminierend, antiklerikal, antiheteronormativ und antikapitalistisch“.
Damit hat sicherlich nicht jeder seine Freude. Bestätigt werde ich in meiner Ansicht durch einen Blick auf den Facebookauftritt des Vice Magazins, dass in seinem Status postete, dass „Ali Hili, ein schwuler Iraker, der in London lebt sagt, dass Lesben, Schwule, Bi-Sexuelle und Transsexuelle im Irak von Todeskommandos verfolgt werden“. Ein besonders sympathischer Zeitgenosse war sich nicht zu blöd seiner Gesinnung ausdruck zu verleihen, und meinte sowas „Sollte es bei uns auch gebn!!!“.

Trotzdem soll das Café in der Währingerstrasse politsche Interessen verbinden, zu kritischem Denken und Handeln anregen sowie emanzipatorische Projekte fördern. Wer mit alldem nichts am Hut hat, findet dort auch einfach nur Platz zum Arbeiten, chillen oder sich austauschen. Begünstigt wird dies dadurch, dass es keinen Zwang zur Konsumation gibt, was sich aus der antikapitaltistischen Einstellung ableiten dürfte und die dortigen sehr günstigen Preise erklärt. Wie schon festgestellt finden solche Grundsätze nicht überall Anklang, erst recht nicht, wenn nicht nur poltische sondern auch wirtschaftliche Interessen aufeinanderprallen.

Hier kommen wir auch zum eigentlichen Problem des Café Rosa. Laut AG Bundesobman Martin Brenner wurden für den bisherigen Betrieb 500.000 Euro aufgewendet, nur um letztlich einen Partyraum für Gesinnungsgenossen zu haben. Er sieht das Projekt trotz hohen Geldaufwands seitens der ÖH aus ÖH-Beiträgen am Ende, da Betrieb stark defizitär wirtschaftet. Auf Druck der oppostionellen AG und der Öffentlichkeit, nannte der für das Café Rosa zuständigen „Sachbearbeiter“ Jacob Zerbes (VSStÖ) erstmals konkrete Zahlen und progonstizierte anhand des derzeitigen Businessplans ein wirtschaftliches Minus von 86.000 Euro für 2012. Brenner sieht die Einrichtung deshalb in der Insolvenz, als Indiz dafür nennt er die kürzliche Entlassung von Mitarbeitern.

Aber nicht nur die Finanzgebarung des Cafés sorgt für Missmut. Sieht man sich ein wenig in den Foren diverser Onlinemedien um, erkennt man, dass auch Vorwürfe gemacht werden, die über den mangelnden Geschäftssinn der ÖH Führung hinaus gehen.
Erheitert hat mich der Ärger einer PosterIn (?) im Forum des Café Rosa, dass die „…Beleginnenschaft zum fröhlichen Lesbenporno-Schauen“ einlädt, nur um „männlichen Anti-Homos im Zeichen der Antitoleranz den Zutritt“ zu verweigern.
Deutlich ernster wiegt der Vorwurf, dass keiner extremen Weltanschaungen angehörende potenielle Kunden beim Betreten des Cafés auf ihre Gesinnung überprüft und am Betreten des Lokalität gehindert worden sein sollen. In diesem Zusammenhang drängt sich bei vielen die Frage auf, wie so ein „Miteinander“ verschiedener politischer Gesinnungen so erreicht werden kann. Weitere gewichtige Vorwürfe sind die mangelnde Transparenz und Informationspolitik der ÖH-Führung bezüglich des Cafés, der Zenur auf der Facebookpage und des Nichtabelten von Überstunden des Personals.

Dass der Betrieb eines Cafés vor allem in der Anfangsphase ordentlich Geld kostet, leuchtet zumindest mir ein. Ich bin zwar ein Laie, aber die Miete und Lokalablöse für eine Lage in einer der besten Gegenden Wiens, sowie Interieur, usw. kostet heutzutage viel Geld. Wenn dafür Barierrefreiheit, Wireless LAN, keine Konsumpflicht, günstige Getränke und ein Veranstalltungsraum für Studenten und gesellschaftliche Minderheiten herauspringt, empfinde ich die Zuweiseung der ÖH (Zwangs-) Mitgliedsbeiträge dafür als bessere Investition, als in die diversen Wahlkampfaktionen mit gratis Würstel oder Crêpes und Cocktailstände der Studentenvertretungen.
Als sehr wichtig in wirtschaftlicher Hinsicht sehe ich den Hinweiss der ÖH-Chefin Janine Wulz, dass sich die investierten Beträge nicht verloren sind, sondern im Falle einer Schließung des Cafés großteils wieder zur ÖH zurückfließen würden. Das aber Seiten der ÖH-Spitze  nicht oder erst sehr spät zu den Vorwürfen Stellung genommen wird, sorgt zurecht für Verunsicherung und Unmut. Dies könnte im besten Falle als Unfähigkeit der Verantwortlichen gewertet werden, im schlimmsten Falle aber als ein Aussitzen der Probleme.
Kaum verwunderlich wäre es, wenn sich außen stehende Beobachter, sehr an die Vorgehensweisen gewisser Amtsträger nicht unweit der Hauptuni erinnert fühlten.

Quellen: auf Anfrage, da WordPress meine Zeilenumbrüche nicht akzeptiert.

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