The Daily Show mit Jon Stewart

von Georg

Als Kind waren sie eine Art Ritual für mich. Viele Abende, wurde gegen halb acht, neben dem Abendessen zusammen mit zumindest einem Elternteil die „Zeit im Bild“ (ZiB) geschaut. Die verschiedenen ZiBs haben mich ein paar der bedeutensten historischen Momente der Menschheit mehr oder weniger bewußt direkt miterleben lassen, z.B.: der Fall der Berliner Mauer (1989), den „Zweiten Golfkrieg“ (1990) oder auch die Ereignisse des 11.Septembers 2001 in New York ein.

Wie auch ich, sehen sich viele meiner Bekannten und Freunde kaum mehr  Nachrichtensendungen aus dem Fernsehen an. Die Gründe sind vielschichtig, manche interessiert es nicht, anderen fehlt die Grundvoraussetzung da sie schon keinen Fernseher haben und dann gibts noch diejenigen, die keine Zeit dazu haben. Eigentlich alle die wissen wollen, was in der Welt da draußen so vor sich geht, haben Online-Medien für sich entdeckt und die Nachrichten aus dem Fernsehen mit ihnen substituiert. Im Internet lassen sich Informationen einfach und schneller über mehrere Quellen beziehen.

Das Internet ist es auch, welches mir ermöglichte The Daily Show with Jon Stewart kennenzulernen. Jon Stewart ist Nachfolger von Craig Kilborn, der die „the Daily Show“ nach diversen Streitigkeiten verlies, um stattdessen bei der CBS (Columbia Broadcasting System) eine Show zu übernehmen. Mit Stewart fokusierte sich das Format auf den amerikanischen Politik Alltag, welcher vom Team der Daily Show satirisch kommentiert und hinterfragt wird. In diesem Zusammenhang geraten oftmals auch die großen Nachrichtenstation der USA in das Visier der Kommiker, da deren subjektiver Umgang mit der Wahrheit, der mehr als nur fragwürdig ist, ein dankbares Ziel abgibt. Besonders sticht dabei der Sender „Fox News Channel“ (FNC) hervor, der den subjektiven Umgang mit der Wahrheit damit rechtfertigt, dass viele renommierte Medien (z.B. CNN, New York Times) (zu) liberale Ansichten haben und Fox News einfach nur the other side of the story wiedergeben. FNC bezeichnet seine Nachrichtenerstattung als „Fair and Balanced“ (Gerecht und Ausgeglichen). Wer einen kleinen Einblick in die amerikanische Politik bekommen möchte und Satiere mag, sollte unbedingt einen Blick ins Sendungsarchiv der Daily Show wagen. Die Sendung kann frei über die Homepage der Show empfangen werden. Um ein wenig den Einstieg zu erleichtern, möchte ich ein paar meiner liebsten Momente der Sendung vorstellen.

Black Nr.1
2011 findet man bei den repulikanischen Vorwahlen zum konservativen Gegenkandidat von Barack Obama für die US-Präsidentschaftswahlen, auch einen afro-amerikanischen Kandidaten. Herman Caine heisst der gute Mann und wurde von vielen seiner Partei als große Hoffnung gepriesen. Kein Wunder, sind doch republikanische Schwarze besser als andere Schwarze, zum Beispiel jener der Demokraten, Barack Obama. Michelle Bachmann ebenfalls eine Kandidatin bei den Vorwahlen erklärt freundlicherweise auch gleich, weshalb das so ist: „To become a black republican, you don’t just roll in to it. You are not go going with the flow. You have fought probably against your family members, probably against your neighbours – You have fought everything out! And thats why we have very impressive blacks in our party! …and thats why our blacks are so much better than their blacks.“ Solche Aussagen finden dann auch ausgewiesene Rassisten wie Jon Stewart (dank Donald Trump) beleidigend, wenn auch nur deshalb, weil Linke wie er, einfach nicht wissen wie sie mit ihrer Eifersucht auf die republikanische Partei umgehen sollen: „They can’t stand, that a black man, much blacker than obama – and a real american black – is this right winger.

Der republikanische Casanova
Warum die republikanische Sympathisanten zurecht stolz auf ihre diversen Kandiaten sein kann, ist für Außenstehende nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich. Vielleicht war Herman Caine deshalb so großzügig uns einen reichen Fundus zu hinterlassen, anhand dessen wir vielleicht ein wenig mehr Einsicht bekommen können. Hier die außenpolitischen Ansichten des Kandidaten für das Präsidentenamt der Vereinigten Staaten bezüglich Lybien und wie diese sich von denen Obamas unterscheiden. Bis heute versteht er sichtlich nicht den ganzen Aufruhr darüber. Wer jetzt denkt, Mr.Caine hätte aufgrund dieser Peinlichkeiten seine Kandidatur zurückgezogen, kennt dessen Ego nicht. Dazu benötigte es etwas delikateres. Aber was war schon passiert, eh nix, oder?

Amerikas Umgang mit Sex und Gewalt
Der in Österreich nicht ganz unbekannte Gouverneur Kaliforniens, Arnold Schwarzenegger verbot während seiner Amtszeit den Verkauf von Videospielen mit (groben) Gewaltinhalten an Personen die das achtzehnte Lebensjahr noch nicht vollendet hatten. Der oberste amerikanische Gerichtshof lies dieses Gesetz jedoch wieder aufheben, da die Richter der Meinung sind, dass amerkanische Bundesstaaten „might be able to restrict sexual materials, but not violent and other materials“. Es darf also brutalst weitergeschlachtet werden in diversen Medien, aber wehe es sollte mal eine nackte Brust im Fernsehen zu sehen sein! Dann ist Schluss mit lustig! (Vorsicht bitte: der Link enthält eine sehr ungustiöse Gewaltszene eines Videospiels).

La Forchetta Diabolica
Für Amerikaner scheint nicht Italien das Mekka für Pizzaliebhaber zu sein, sondern New York. Aufgrund der vielen italienischen Auswanderer, die sich im Big Apple niedergelassen haben, blickt die Stadt auf eine lange und große Pizzatradition zurück die vieler New Yorker großer Stolz ist. Als Sarah Palin im Apple einen Besuch abstattete, zeigte sich Donald Trump als Gentlemen und lud sie zu zum Pizzaschnitten essen ein. Seither verlangt Stewart von Trump einen Beweis für dessen New Yorker Herkunft.

The Haves And Soon-to-Haves
Die Konservativen in den USA wehren sich gegen Armut. Nicht etwa mit Sozialprogrammen, sondern mittels einer PR-Maschinerie, die ihres gleichen sucht. Viele Republikaner bedienen sich deshalb eigener beschönigender bzw. verschleiernder Umschreibungen für konkrete Begriffe. So wird aus den „richs“job creators“ und aus den „poor“ „Soon-to-Haves„. Nach den Vorstellungen nicht weniger „right wings“ sollen dies Bemühungen darin enden, dass Million- und Millardäre mit einem niedrigeren Steuersatz besteuert werden, als die Mittelschicht.

Griechenland brennt
Auf Gedanken kommt wohl jeder irgendwann mal. Schluss machen mit den Konkurrenzkämpfen nur um materialistischen Träumen nachzujagen. Man möchte ohne Blick zurück alles hinschmeissen, um sich in einem Fischerdörfchen niederzulassen und dort jeden Tag Uzo trinkend ein gegrilltes Lamm zu essen. Nebenbei betört man mit seinem lebensfrohen Gemüt Touristen, finanziert durch die Pensionskasse. Klingt verführerisch? Ist es auch! Aber was passiert, wenn ein ganzes Land auf diese Idee kommt?
Jon Stewart präsentiert Griechenland 2011: Jugendliche und Senioren ziehen aufgebracht und randalierend durch Griechenlands Städte, da ihnen die Kürzungspläne der Regierung, die bedeutende Eingriffe in Griechenlands Sozialsystem vorsehen um den Staatsbankrott abzuwenden, ein Dorn im Auge sind. Vorschläge sehen unter anderem eine Anhebung des bestehenden Pensionsantrittsalters von 53 Jahren, bei achzig Prozent Pensionsbezug des letzten Einkommens vor, sowie eine Kürzung des bezahlten Urlaubsanspruchs von bisher sechs Wochen. Für U.S.-Bürger können diese Proteste nur befremdlich sein, wenn man weiss, dass es dort keine staatliche Pensionsvorsorge gibt und sehr viele quasi nie in Pension gehen können, geschweige denn, bezahlten Urlaub haben. Stewart befürchtet, sollten amerikanische Bürger von den sozialen Leistungen der Griechen Windbekommen, könnten sich die dortigen Aufstände, auch auf die USA ausweiten. Es drängt sich die Frage auf, wie Griechland sich all seine Sozialleistungen überhaupt leisten kann. Jon rechnet vor, dass jeder Grieche quasi vierundvierzig Tausend Dollar schulden hat und Griechenland aufgrund einer ähnlichen Finanzgebarung, wie sie ein unverantwortungsvolles Kind an den Tag legt, im grunde pleite ist. Dass auch die USA hoch verschuldet sind, möchte er dabei nicht als Ausrede für die Südeuropäer gelten lassen. Als er jedoch bestürzt herausfindet, dass deren pro Kopf Defizit fünfundvierzig tausend Dollar beträgt, ohne jemals einen staatlichen Pensionsanspruch haben zu können, würde er gerne wissen, wieso man in Griechenland so gut mit Geld umgehen kann. Zum Schluss wird mit Griechenland Korrespondent Aasif Mandvi noch die Frage geklärt, weshalb solange niemand von Griechenlands Finanzproblemen wusste Credit Default Swaps.

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