Gedanken zum Wahlverhalten

von Georg

Vor kurzem unternahm ich einen kleinen Ausflug ins österreichische Wahlrecht. Zurück bleibt die Frage, ob  es da draußen noch Menschen gibt, die motiviert zu Wahlen gehen? Personen die das Wahlrecht mehr als Privileg sehen, denn als lästiges und zahnloses Instrument politischer Mitbestimmung? Erstere Sorte scheint immer schwerer zu finden, zumindest bei jüngeren Generationen. Wer kann sich von diesen noch an Zeiten von Totalitärität und Autorität erinnern? Für viele die ich kenne ist die Teilnahme an Wahlen zwar eine Selbstverständlichkeit weil sie es als Gebot der Vernunft verstehen, jedoch tragen die wenigsten (mehr) die Überzeugung in sich, ihre Partizipation könnte zu etwas Bedeutendem, geschweige denn Veränderung beitragen. Diese Beobachtungen decken sich auch mit den Begründungen der meisten mir bekannten Nichtwähler, die an Wahltagen lieber anderen Aktivitäten den Vorzug zu geben.

Persönlich kann ich das gut verstehen, meine Teilnahme an Wahlen ist eher einem mir unerklärlichen Pflichtbewusstsein nervender Natur geschuldet, denn der Überzeugung vernünftig zu handeln. Wahl für Wahl wird de facto von neuem der politische Status Quo neu einzementiert. Egal wer bisher die Geschicke des Landes bestimmte, im Grunde bleibt fast alles wie gewohnt. In dieser Hinsicht kann ich den heranwachsenden Verdruss in jedem politisch Unzufriedenen, aber keine eigenen (machtpolitischen) Interessen verfolgenden Bürger menschlich durchaus sehr gut nachvollziehen. Wie sonst kann man sich das große Wahlpotential, der „Liste für Innsbruck“ oder der Piratenpartei in Deutschland erklären?

Fragwürdig erscheint mir eher, wie es bei Mitbürgern mit halbwegs funktionierender empirischer Beobachtungsgabe nicht so sein kann? Ist es Desinteresse an Politischem im Allgemeinen? Profitieren derart viele so gut vom bisherigen System? Soll ich mich schlecht fühlen, weil mich kaum eine Wahl mehr interessiert? Mir ist schon klar, dass eine Demokratie seine Grundfeste im Konsens hat, Wandel viel Geduld erfordert, dass es deutlich schlauere Personen als meine Wenigkeit gibt und auch in anderen Ländern vieles nicht besser ist… Mich ermüdet jedoch die Art wie immer wieder der Konsens in diesem Land zustande kommt, wie manche politische Machthaber ihre Stellungen ausnutzen (vgl. Glücksspielgesetze, Anti-Korruptionsgesetz, Telekommaffäre, etc.) und die Ignoranz mancher  Menschen.

Das Hauptmotiv einiger, zu Wahlen zu gehen, ist bloß um bestimmte Ergebniskonstellationen zu verhindern (Schwarz-Blau, Rot-Grün). Der Anfängliche Charme diese Geisteshaltung, hat sich für mich jedoch verbraucht, da er Veränderungen egal welcher Art abträglich erscheint. Hinzu kommt, dass sich mein Ideal vom Wahlrecht eher an einem „Konstruktivismus“, denn an einem „Destruktivismus“ orientiert. Meines Erachtens hätten auch viele passionierte Nichwähler nur zu gerne, Barack Hussein Obama 2008 zum ersten schwarzen Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt, um eine Wende einzuleiten und so einen neues Kapitel amerikanischer Geschichte einzuläuten. Der ehemalige Senator von Illionis verstand es wie kein anderer Präsidentschaftskandidat zuvor die Massen mit Solgans wie „Yes We Can“ und „Change“ zu mobilisieren, sie zu inspirieren.

Natürlich kann nicht jede Wahl Historisches Anbieten und auch Obama ringt mit der normativen Kraft des Faktischen, aber ich denke es wird klar was ich verdeutlichen will. Mir würde es bereits genügen, wenn jemand den Bürgern die hier leben zeigt, dass wir Österreicher nicht so weit voneinander stehen, wie viele Politiker uns oft glauben machen wollen.

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