„Helden in Strumpfhosen“

von Georg

Beim letzen Mal, als ich ein weibliches Wesen überredet habe, mit mir einen Superheldenfilm zu besuchen war es 2007 und retrospektiv wohl der Anfang vom Ende einer Reihe vieler Missverständnisse. Enthusiasmiert und geblendet durch die Vorgängerfilme, schwärmte ich der großartigen C. von meinen Ansichten über das Spiderman-Universum vor, nur um dann eine überladene, uninspirierte Spiderman 3 Verfilmung zu erleben, die schmerzlich langatmig war. Gebrandmarkt durch diese Peinlichkeit, ertappe ich mich seither immer wieder, meine Schwäche für Verfilmungen von Superhelden zu rechtfertigen, wo es keiner Rechtfertigung bedarf und vermeide es mit Frauen, die ich noch nicht so gut kenne, Comicverfilmungen zu besuchen.

Auch meine ursprüngliche Faszination von Superhelden ist seither ins Wanken geraten, so dass ich vielen Verfilmungen dieses Genres fast mit zu großer Skepsis begegne. Typisches Beispiel ist der neue Superheldenfim the Avengers, in dem eine Handvoll unterschiedlicher Superhelden, animiert durch die Geheim- und Spionageorganisation S.H.I.E.L.D., unter der Leitung des undurchsichtigen Nick Fury, zum Wohle des Planeten gemeinsame Sache zu machen, um die Menschheit vor der Unterwerfung durch den machtdurstigen und rachsüchtigen Loki zu bewahren. Wie soll ein Film mit so einem Overkill an Hauptprotagonisten funktionieren können? Das Nerdgasm-Gejapse einiger Comicfans konnte ich jedenfalls nicht nachvollziehen, viel zu fremd  und unbekannt sind mir dazu die meisten Figuren. Die wirklich tiefgängigen Comic Verfilmungen wie z.B. die Inszenierungen von Batman durch die Nolan Brüder, oder Guillermo del Toros Hellboy glänzten vor allem durch ihr deutliches Augenmerk auf die Charakterzeichnung ihrer Helden und einer Story in der Gut und Böse nicht allein in Schwarz-Weiss daher kommen sondern in vielen Graufacetten schimmern. Der schreckliche nichtssagende Trailer im Vorfeld bestärkte mich jedenfalls in meinem Entschluss, mir den Film aufgrund höchster Fadisierungsgefahr nicht anzutun.

(Schrecklicher Trailer zu einem überraschend gelungenen Film)

Aufgrund des großteils sehr positiven Medienechos hab ich mich dann entgegen meines eigentlichen Plans, den Film an mir vorbei gehen zu lassen, auf Anfrage meines Cousins doch zu einem Kinobesuch entschieden und trotz des Risikos meine cineastische Freundin T mitgenommen, die jeden Actionfilm kritisch beäugt. Sinnvollerweise fand ich mich dann doch recht gut im Heldenuniversum zurecht, da der Grundstein zu den Avengers schon durch andere Filme wie Iron Man, Hulk und ganz wichtig Thor gelegt wurde, in denen sich bei manchen im Abspann Eastereggs zum Avengers Film versteckten. Tatsächlich unbekannte wie Hawkeye oder Agentin Natalia Romanoff, aka. die Schwarze Witwe werden im Film mehr oder weniger entsprechend eingeführt und verschmelzen tatsächlich nach viel Lärm um nichts mit ihren Kollegen wahrnehmbar zu einem Team. Einzig was Cobie Smulders aus „How I Met Your Mother“ im Film verloren hat, bleibt mir ein Rätsel, das liegt vielleicht an ihrer Rolle als „Robin Scherbatsky“ und mangelnder Gelegenheit sich im Film von dieser zu befreien.

Der Gesamteindruck des Films fällt jedenfalls unerwartet postitiv aus, der Film hat kaum Zeit für Charakterportraits, bietet dafür jedoch unterhaltsame Action-Unterhaltung mit überraschend gutem Witz und gibt vielleicht manchem Betrachter ein paar Fragen mit auf den Nachhauseweg, über die es sich lohnt das Nachdenken zu vertiefen. Ernüchternd treffend ist Lokis Meinung, die Menschen würden sich ihre Unterwerfung letztlich wünschen, da sie gerne bei „starken Männern“ ihre (Eigen-) Verantwortung abgeben und glücklicher sind, wenn sie über schwierige Entscheidungen letztlich nicht selbst nachdenken müssen, da sie so derart viel ihrer Verantwortung abgeben können um sich bei späteren unangenehmen Fragen nicht (vor sich selbst) rechtfertigen zu müssen. Marine Le Pen, Filip Dewinter und Strache lassen an dieser Stelle grüßen, aber so einen hatten wir vor siebzig Jahren schon mal. Politisch interessant auch die Antwort auf Captain Amerikas verwunderte Frage, ob das ihm zur Verfügung gestellte Outfit im Star-Spangled Banner Design, denn nicht zuviel Patriotismus symbolisiere und deshalb für moderne Verhältnisse nicht mehr ganz zeitgemäß wäre (die Antwort gibts im Film und wird nicht verraten).

Leider hinken die Actionszenen im Film deutlich der Dynamik den Dialogen seiner Helden hinterher, so dass ich mir ein anderes Verhältnis dieser Komponenten im Film gewünscht hätte. Hier wäre eventuell nach der Verdeutlichung der Turbolenzen der Akteure untereinander auch Platz für die inneren Konflikte der Superhelden gewesen, die leider außen vor waren. Was bleibt ist ein großteils kurzweiliger Film, der gerade durch das Kunststück viele verschiedene Charakter unter einen Hut zu bringen, sein Eintrittsgeld wert war und auch mit deutlichen Abstrichen beim Krach-Bumm locker bestehen könnte. Von Heldenentwürfen, wie den als Proganda-Ikone den Patriotismus hinterfragenden Captain America, den um keinen Angeberspruch verlegenen Großkotz und Playboy Tony Stark (aka Iron Man) oder neurotischen Superschurken mit tragisch aktuellen Ansichten wie Loki wünsche ich mir in Zukunft mehr zu sehen.

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